Die Europäische Hornisse
Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist die größte heimische Wespenart Deutschlands und gleichzeitig eine der am häufigsten missverstandenen. Ihr Ruf als aggressiver Angreifer ist unbegründet: Hornissen sind deutlich friedfertiger als Wespen und stechen nur, wenn sie unmittelbar am Nest bedroht werden.
Als nützliche Räuber dezimieren Hornissen täglich große Mengen anderer Insekten - darunter Fliegen, Mücken und Schadinsekten. Ein Hornissenvolk erbeutet täglich bis zu 500 g Insekten. Hornissen sind damit wichtige natürliche Schädlingsbekämpfer.
Wichtig: Die Hornisse steht in Deutschland unter besonderem Naturschutz (BNatSchG, BArtSchV). Das Zerstören von Nestern oder das Töten von Hornissen ist grundsätzlich verboten und kann mit Bußgeldern bis zu 65.000 Euro geahndet werden.
Erkennungsmerkmale
- Körperlänge: Arbeiterinnen 18-25 mm, Königin bis 35 mm
- Farbe: Gelbbraun-schwarz - kein reines Gelb wie bei Wespen; Kopf und Brust rötlich-braun gefärbt (wichtigstes Erkennungsmerkmal)
- Körperbau: Kräftiger als Wespe, breiter Kopf
- Nest: Hellbraune Hülle aus gekautem Holz (Karton), oft in Baumhöhlen, Rollladenkästen, Dachböden oder Hohlräumen
- Fluggeräusch: Deutlich lauter summend als Wespen
- Nachtaktivität: Hornissen fliegen auch nachts und werden von Licht angelockt - Wespen nicht
Hornisse vs. Wespe - auf einen Blick
| Hornisse | Wespe | |
|---|---|---|
| Größe | 18-35 mm | 11-18 mm |
| Kopf/Brust | Rötlich-braun | Schwarz |
| Koloniegröße | 300-700 Tiere | 3.000-15.000 Tiere |
| Aggressivität | Gering (ruhige Tiere) | Höher (v.a. Spätsommer) |
| Nachtaktiv | Ja (wird von Licht angelockt) | Nein |
| Naturschutz | Besonders geschützt | Geschützt |
Neststandorte
Hornissenköniginnen suchen im April/Mai geeignete Hohlräume für ihr Nest. Typische Standorte:
- Baumhöhlen und Vogelnistkästen
- Rollladenkästen und Hohlräume in Außenwänden
- Dachböden und Dachüberständen
- Gartenschuppen, Garagen und Gerätehäuser
- Mauerhohlräume und Kamine (selten)
Ein Hornissennest beginnt im Frühjahr erbsengroß und wächst bis August/September auf Fußballgröße - mit bis zu 700 Tieren. Die Hülle ist aus zerkautem Holz gefertigt und wirkt hellbraun und papierartig.
Wann sind Hornissen ein Problem?
Hornissen sind in der Regel kein aktives Problem, solange ihr Nest nicht gestört wird. Ein Handlungsbedarf besteht nur wenn:
- Das Nest direkt an einer stark frequentierten Stelle sitzt (Eingang, Spielbereich)
- Allergiker im Haushalt leben
- Das Nest sich in einem Bereich befindet, der baulich genutzt werden muss
- Das Fluggeräusch oder die Nachtaktivität am Licht zu erheblichen Beeinträchtigungen führt
Hornissen am Nest oder im Garten beobachten - das ist unbedenklich. Abstand halten und keine schnellen Bewegungen am Nest: Hornissen sind territorial, aber nicht von Natur aus aggressiv.
Naturschutzrecht - was ist erlaubt?
Die Hornisse ist in Deutschland nach § 44 BNatSchG und BArtSchV Anlage 1 besonders geschützt. Das bedeutet konkret:
- Nester dürfen nicht zerstört werden - auch nicht im Winter
- Hornissen dürfen nicht gefangen oder getötet werden
- Ausnahmen erfordern eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde
- Bei unmittelbarer Gefahr (Allergie, stark frequentierte Stelle) kann eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden
- Bevorzugte Maßnahme ist immer die Umsiedlung an einen geeigneten Ort
Professionelle Hornissen-Umsiedlung
- Begutachtung: Bewertung des Neststandorts und der Gefährdungslage
- Rechtsprüfung: Klärung ob eine Genehmigung erforderlich ist
- Umsiedlung: Fachgerechtes Versetzen des Nestes in einen Nisthilfe-Kasten an einem ruhigeren Standort
- Abwarten: Oft ist die beste Lösung, das Nest bis Oktober in Ruhe zu lassen - danach stirbt die Kolonie ab und das Nest kann gefahrlos entfernt werden
- Prävention: Beratung, wie zukünftige Besiedlung vermieden werden kann (Öffnungen abdichten, Nistkästen aufhängen)
Hornissen sind schützenswerter Bestandteil unseres Ökosystems. Wir handeln immer nach dem Prinzip Umsiedlung vor Vernichtung - rechtssicher, tierschutzgerecht und mit dem geringstmöglichen Eingriff.
Häufige Fragen zu Hornissen
Sind Hornissen gefährlicher als Wespen?
Nein - Hornissen sind deutlich friedfertiger. Ihr Stich ist schmerzhafter, aber das Risiko eines anaphylaktischen Schocks ist vergleichbar. Hornissen stechen nur bei unmittelbarer Bedrohung des Nestes.
Darf ich ein Hornissennest entfernen?
Nein - die Hornisse steht unter besonderem Naturschutz (BNatSchG/BArtSchV). Das Zerstören von Nestern ist verboten und kann mit Bußgeldern bis 65.000 Euro geahndet werden. Ausnahmen erfordern eine Genehmigung der Naturschutzbehörde.
Was tun wenn ein Hornissennest im Rollladenkasten ist?
Rufen Sie uns an. Wir begutachten die Situation und prüfen, ob eine Umsiedlung sinnvoll und möglich ist. Bis Oktober stirbt das Nest ab und kann dann gefahrlos entfernt werden - oft ist Abwarten die einfachste Lösung.
Warum fliegen Hornissen nachts ans Licht?
Hornissen sind auch nachtaktiv und werden von künstlichem Licht angelockt. Abhilfe: Fenster abends schließen oder Insektengitter anbringen. Warmweißes LED-Licht mit wenig UV-Anteil lockt deutlich weniger Insekten an.
Wann ist ein Hornissennest nicht mehr aktiv?
Im Oktober/November stirbt die Kolonie mit dem ersten Frost ab. Das leere Nest wird nicht wiederverwendet und kann dann gefahrlos entfernt werden. Im Frühjahr sucht die neue Königin einen anderen Standort.